Outlet Remscheid
Stadt schießt gegen Kritiker:innen
Nachdem durch die Veröffentlichung des aktuellen Planungsstandes offensichtlich wurde, dass beim Outlet-Projekt viele anfängliche Versprechen nicht eingehalten werden können und viele Probleme weiter ungelöst sind, verfallen Stadt und lokale Medien in altbekannte Muster. Anstatt sich mit den in einer Pressemitteilung dargestellten, berechtigten Kritikpunkten der Bürgerinitiative Lennep auseinanderzusetzen verweist OB Mast-Weisz sie vorschnell „ins Land der Märchen und Mythen“ und der RGA-Chefredakteur wirft den Kritikerinnen und Kritikern „Zermürbungstaktik“ vor, um dann im selben Atemzug das Outlet tendenzpoetisch als ein Utopia zu umschreiben, wo „nicht nur Pflanzen wachsen, [sondern auch] Schmetterlinge tänzeln und Vögel fliegen“ und so die unrealistisch hohen Erwartungen weiter aufrecht zu halten.
Konkret geht es bei der Kritik der Bürgerinitiative um die Zahl der zu fällenden Bäume und den Zugang zum Outlet-Gelände. 55 Bäume sollen (Stand jetzt) gefällt werden. Eine Zahl die laut Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke „In keiner Weise verifiziert“ ist. Leider geht die Zahl aber aus den Unterlagen hervor, die die Stadt selbst freigegeben hat. Offensichtlich hat keiner in der Stadt die Unterlagen vernünftig gelesen. Zwar sind dort auch potenzielle Neupflanzungen kartiert, doch die Aussage von Investor Dommermuth „Im Übrigen wird kein einziger Baum für unser Vorhaben gefällt“ (BM 02.06.23) hat sich ein halbes Jahr später bereits erledigt. Das sind Fakten abseits einer Märchenwelt, in der sich offenbar eher die Stadt und der RGA bewegen.
Denn angesprochen auf das Versprechen Dommermuths „Man kann also auch dann die Grünflächen für Spaziergänge, etwa mit dem Hund oder mit der Familie, nutzen, wenn das Center geschlossen ist“ (Dommermuth BM 02.06.23), entgegne OB Mast-Weisz kontrafaktisch einfach „Auch davon ist aber noch an keiner Stelle die Rede gewesen“. Dabei war dies der anfängliche „Eye-Catcher“ und die Tatsache, dass das gesamte Outlet-Areal nun nicht frei zugänglich, sondern großflächig eingezäunt wird, fehlt weiterhin in den grafischen Darstellungen.
Dieses unsichere und unprofessionelle Verhalten zeigt eindeutig die Nervosität der Stadt. Denn je weiter die Planungen des Projekts fortschreiten, desto offensichtlicher werden die Probleme und die Unerreichbarkeit vollmundiger Versprechen!
Dabei geht es um weit mehr als die Anzahl der zu fällenden Bäume oder der Zugang zum Outlet-Gelände. Besonders im Bereich Verkehr und Parken gibt es noch keine vernünftigen Lösungen. Obwohl die Zahl der Parkplätze durch eine neuerliche Tiefgarage bereits um ca. 400 aufgestockt wurde, sucht der Investor nach weiteren Grundstücken für Parkmöglichleiten seiner Outlet-Kunden. Um die acht Grundstücke in Remscheid sollen bereits identifiziert worden sein. Wo genau diese liegen wollte das Architekturbüro auf Anfrage unseres Bezirksvertreters Colin Cyrus aus strategischen Gründen nicht sagen. Für die angeblich 1000 Mitarbeitenden stehen derweil nur 35 Parkplätze zur Verfügung. Wie die wegfallenden Parkplätze der Anwohnenden der Altstadt auf dem Jahnplatz und Umgebung kompensiert werden, steht ebenfalls noch in den Sternen. Dafür wird aber immer wahrscheinlicher, dass die Wupperstraße für den privaten Autoverkehr plötzlich doch geschlossen wird! Dabei war das eines der Kernkritikpunkte der Planungen des DOCs von McArthur-Glen. Für die restlichen Verkehrsprobleme wird auf das zu erstellende Verkehrsgutachten hingewiesen. Wir sind gespannt.
Ganz ohne Gutachten steht aber bereits fest, dass mehrere Familien aus der Wupperstraße 15+17 dem Outlet-Center weichen müssen. Der Investor möchte diese Gebäude gerne der Stadt abkaufen. Diese hat damit offenbar auch kein Problem.
Dass bei einem Projekt dieser Größenordnung Probleme auftreten, ist nicht ungewöhnlich und war vorauszusehen. Dass aber Stadt und Presse nach all den Erfahrungen des gescheiterten DOCs und anderer Großprojekte derartig dünnhäutig auf Nachfragen gewählter Abgeordneter oder Kritik der Bürgerinitiative reagieren und viele Fakten offenbar nicht kennen, wundert uns schon. Gerade die Befürworter des Projekts sollten doch Interesse haben Bedenken auszuräumen. Der latent-aggressive Umgang mit Kritikerinnen und Kritikern führt sicherlich nicht dazu, dass diese weniger werden.

