Gewerbegebiet Erdbeerfelder: Geht die Rechnung für die Stadt auf?
Über die geplanten Gewerbeflächen auf den sogenannten Erdbeerfeldern an der Borner Straße wird seit Jahren gestritten. Mehr als 2.000 Menschen haben eine Petition gegen die Pläne unterschrieben, Anwohnende und Umweltverbände wehren sich bis heute gegen das Projekt. Auch wir lehnen die Bebauung weiterhin ab.
Und das aus guten Gründen. Landschaftsschutz, die Nähe zum Quellgebiet der Panzertalsperre, Artenschutz, zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelastung sowie der Verlust wertvoller Landwirtschafts- und Naherholungsflächen sprechen aus unserer Sicht gegen die Bebauung.
Doch inzwischen stellt sich noch eine weitere wichtige Frage. Lohnt sich dieses Gewerbegebiet für die Stadt überhaupt finanziell?
Die Stadt möchte die Flächen entwickeln und anschließend so verkaufen, dass am Ende mindestens eine schwarze Null steht. Gleichzeitig dürfte gerade die Erschließung der Erdbeerfelder teuer werden. Eine schwierige Topografie, Entwässerung, Verkehrsanbindung, Natur- und Artenschutzmaßnahmen und weitere Anforderungen wirken preistreibend. Und noch ist nicht einmal abschließend klar, wie viel Fläche später tatsächlich verkauft werden kann.
Deshalb haben wir nachgefragt mit welchen Kosten die Stadt rechnet? Welcher Verkaufspreis wäre notwendig, damit die Rechnung aufgeht? Und wäre dieser Preis auf dem regionalen Gewerbeflächenmarkt überhaupt realistisch?
Die Verwaltung verweist zwar auf vorhandene und regelmäßig fortgeschriebene Berechnungen, konkrete Zahlen nennt sie bislang aber nicht.
Das finden wir problematisch. Denn eine belastbare Kosten-Nutzen-Betrachtung ist nicht nur für diejenigen wichtig, die das Projekt ohnehin kritisch sehen. Auch wer die ökologischen Bedenken nicht teilt, sollte wissen wollen, ob sich die Entwicklung wirtschaftlich überhaupt trägt.
Wenn sich am Ende herausstellt, dass die Grundstücke nur mit Verlust verkauft werden können oder zu den notwendigen Preisen kaum Abnehmer finden, fällt ein wesentliches Argument für die Bebauung weg. Es wäre kaum zu vermitteln, wertvolle Natur- und Landwirtschaftsflächen zu versiegeln, viel öffentliches Geld in ihre Erschließung zu stecken und anschließend möglicherweise auch noch Verluste hinzunehmen.
Deshalb muss die wirtschaftliche Frage jetzt geklärt werden – und nicht erst nach Jahren weiterer Planung und zusätzlicher Ausgaben.
Die ökologischen Bedenken gegen die Erdbeerfelder bestehen schon lange. Bevor die Stadt trotzdem weiterplant, sollte sie zumindest transparent darlegen können, dass sie nicht auch finanziell ins Blaue baut.

