Verkehr und Outlet – Gipfel der Intransparenz

Rund um das geplante Outlet-Center in Remscheid herrschte in den vergangenen Monaten vor allem eines: Stillstand – zumindest in der öffentlichen Kommunikation. Trotz wiederholter Nachfragen aller Fraktionen drangen weder Zwischenstände noch Ergebnisse der Gutachten nach außen. Selbst in nicht-öffentlichen Gesprächen gab es keine belastbaren Informationen. Die Baubegleitkommission tagte seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Insgesamt ein bemerkenswerter Zustand für ein Projekt, das als „Jahrhundertvorhaben“ für die Stadtentwicklung gilt.

Statt Transparenz gab es Durchhalteparolen eines zunehmend genervt wirkenden Investors und einer ebenso angespannten Verwaltung. Das nährte zwangsläufig Gerüchte – insbesondere rund um das zentrale Thema Verkehr. Warum dauert ein Verkehrsgutachten derart lange? Weshalb wurde der Gutachter gewechselt? Was gibt es für Probleme?

Zusätzliche Irritationen entstanden durch die Diskussion um das Grundstück am Talsperrenweg in Lennep. Man munkelte hier soll eine Parkfläche für das Outlet entstehen. Auf unsere Nachfrage im Juni 2025 hieß es seitens der Verwaltung aber, die Planungen für einen Wertstoffhof stockten nicht wegen des Outlet-Projekts, sondern weil das Grundstück „für eine Bebauung und die Planung für einen Wertstoffhof eine Herausforderung“ sei. Weiter wurde ausgeführt, die Anfahrbarkeit sei „aufgrund der Topografie und der Enge deutlich eingeschränkt“, zudem müsse ein Bachlauf berücksichtigt werden. Also kein Wertstoffhof und kein Parkhaus.

Umso größer war die Überraschung, als Oberbürgermeister Sven Wolf plötzlich auf seiner Pressekonferenz zu den ersten 100 Tagen im Amt erklärte, dass die Fläche sehr wohl im Fokus des Investors gestanden habe und deshalb die Wertstoffhof-Planungen ins Stocken geraten seien. Nun habe man sich jedoch darauf verständigt, alternative Parkflächen in Lennep zu suchen, sodass der Wertstoffhof entwickelt werden könne.

„An dieser Stelle kamen wir uns – man muss es so sagen – schon verarscht vor. Wir haben mehrfach nachgefragt und wurden offensichtlich bewusst falsch informiert“, erklärt Bezirksvertreter Colin Cyrus.

Doch damit nicht genug: Für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung Lennep im März steht nun eine Beschlussvorlage zur Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans auf der Tagesordnung – mit dem Ziel, ein Parkhaus für Mitarbeitende des Outlet-Centers zu errichten. Die Aussagen des Oberbürgermeisters scheinen damit binnen weniger Tage ins Gegenteil verkehrt.

„Das macht uns absolut fassungslos“, erklärt die Fraktionsvorsitzende Natalia Lange. „Was ist das für eine Informationspolitik? Jahrelang hört man nichts und wird mit Phrasen vertröstet, nun folgen im Eiltempo widersprüchliche Aussagen. Dabei geht es hier um das zentrale Projekt der Stadtentwicklung. Die Bürgerinnen und Bürger und ihre gewählten Vertretungen haben ein Recht auf verlässliche, transparente und zeitnahe Informationen zur Projektentwicklung.“

Besonders kritisch sehen wir die verkehrlichen Auswirkungen: Die Zuwegung zum geplanten Parkhaus soll offenbar über den Hasenberg im Süden erfolgen. „Das ist keine Randnotiz, sondern ein massiver Eingriff in die bestehende Verkehrsinfrastruktur. Was bedeutet das für die Anwohnerinnen und Anwohner? Wie soll diese Verkehrsführung konkret funktionieren? Und welche Auswirkungen hat das auf die Gesamtplanung des Outlet-Centers? Und wo kriegen wir in Lennep einen Wertstoffhof?“, so Cyrus weiter.

Versprochen wurde einst maximale Transparenz. Tatsächlich erleben wir das Gegenteil: Informationslücken, widersprüchliche Aussagen und kurzfristige Richtungswechsel. Ein Projekt dieser Größenordnung kann jedoch nur gelingen, wenn Politik, Verwaltung und Bürgerschaft ehrlich und offen miteinander umgehen. Entscheidungen mit weitreichenden verkehrlichen und städtebaulichen Folgen dürfen nicht scheibchenweise und widersprüchlich kommuniziert werden.

Wir erwarten von Oberbürgermeister Sven Wolf und der Verwaltung eine klare, vollständige und konsistente Darstellung des aktuellen Planungsstands – insbesondere zu den Verkehrsfragen, den Parkplatzkonzepten und den Auswirkungen auf Lennep. Dazu gehört auch eine ehrliche Aufarbeitung der bisherigen Kommunikation.

Wer Akzeptanz für dieses Vorhaben schaffen will, muss nachvollziehbar handeln und transparent informieren.