Presseliste
„Bauen ins Blaue“ – Linke fordert Klarheit über Wirtschaftlichkeit der Erdbeerfelder
Flächenversiegelung im Landschaftsschutzgebiet und in unmittelbarer Nähe zu Quellgebieten der Panzertalsperre, zusätzlicher Verkehr und Lärm, Bedenken beim Artenschutz sowie der Verlust wertvoller Landwirtschafts- und Naherholungsflächen - Über die ökologischen Folgen des geplanten Gewerbegebiets auf den sogenannten Erdbeerfeldern an der Borner Straße wird seit Jahren gestritten.
Es gab Demonstrationen, Fernsehberichte und eine Petition mit über 2.000 Unterschriften gegen die Bebauung. Auch unter Anwohnenden und bei den Umweltverbänden hält der Widerstand gegen das Projekt an und wächst sogar. Währenddessen treibt die Verwaltung die Planungen im Hintergrund unbeirrt voran.
Dabei zeigen aktuelle Erweiterungspläne bestehender Unternehmen wie KNDS zugleich erste Risse in der Erzählung, neue Gewerbeflächen auf der grünen Wiese seien alternativlos.
Aus Sicht unserer Fraktion wird zudem ein weiteres Problem immer deutlicher: das finanzielle Risiko. Die Stadt strebt für die Entwicklung und Verkauf der Erdbeerfelder eine schwarze Null an. Gleichzeitig ist bereits jetzt absehbar, dass die Erschließung aufgrund der schwierigen Topografie, der Entwässerung, notwendiger Naturschutzmaßnahmen und der Verkehrsanbindung aufwendig und teuer wird. Hinzu kommen die vom Rat beschlossenen Anforderungen an die Entwicklung, die ebenfalls preistreibend wirken. Gleichzeitig ist noch unklar, wie viel Fläche am Ende überhaupt verkauft werden kann. Weitere Faktoren wie notwendiger Schallschutz, Kostensteigerungen oder ökologische Kompensationsmaßnahmen können die Rechnung zusätzlich vergrößern.
Unsere Fraktion hat deshalb nach den zugrunde liegenden Kostenkalkulationen gefragt. Konkrete Zahlen, wie einen notwendigen oder angestrebten Verkaufspreis nannte die Verwaltung jedoch nicht – obwohl sie selbst auf bestehende und regelmäßig fortgeschriebene Rechenmodelle verweist.
„Genau das macht uns skeptisch. Warum werden Politik und Öffentlichkeit hier nicht transparenter informiert?“, erklärt Fraktionsvorsitzende Natalia Lange. „Natürlich kann heute niemand den späteren Verkaufspreis auf den Cent genau vorhersagen. Aber wenn es eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gibt, muss es auch Annahmen dazu geben, welchen Preis die Stadt ungefähr erzielen müsste. Wir wollen wissen, wo die Schwelle für die schwarze Null liegt und ob dieser Preis auf dem regionalen Markt überhaupt wettbewerbsfähig wäre?“
Im ungünstigsten Fall droht das Projekt ein Millionengrab zu werden, welches nicht vermarktet werden kann. Alternativ müsste die Stadt die Preise senken und einen Verlust hinnehmen. Es wäre kaum vermittelbar, wertvolle Naturflächen zu zerstören, um die Grundstücke anschließend faktisch mit öffentlichen Mitteln verbilligt anbieten zu müssen. Das könnte man höchstens bei der Reaktivierung von Industriebrachen rechtfertigen.
Auch der Hinweis der Verwaltung, die Kosten würden im weiteren Verfahren konkretisiert und die Politik könne später noch über Grundstücksverkäufe entscheiden, überzeugt uns nicht.
„Dann ist es im Zweifel zu spät“, erklärt der Lenneper Bezirksvertreter Colin Cyrus. „Wenn wir als Kommunalpolitik eine fundierte Entscheidung über die Zukunft dieser Flächen treffen sollen, brauchen wir vorher eine belastbare Kosten-Nutzen-Betrachtung. Das gilt auch für diejenigen, die unsere ökologischen Bedenken nicht teilen. Wenn wir erst nach jahrelanger Planung und hohen Ausgaben feststellen, dass die Rechnung nicht aufgeht, sind bereits Geld, Zeit und möglicherweise wertvolle Natur unwiederbringlich verloren. Wir müssen jetzt wissen, wie groß das finanzielle Risiko ist. Sonst wird aus dem Bauen ins Grüne ein Bauen ins Blaue.“
Für die Linke bleibt deshalb klar: Die ökologischen Folgen und die Belastungen für die Menschen vor Ort sind zu groß, um ein solches Risiko einzugehen. Zeit, Geld und Planungskapazitäten sollten stattdessen viel stärker in die Reaktivierung von Industrie- und Gewerbebrachen und die Weiterentwicklung bestehender Standorte fließen.

