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Das Ergebnis der Tarifverhandlungen im Metallbereich von Baden-Württembergs kann die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht zufrieden stellen. Bei ihnen ist vom Aufschwung fast nichts angekommen. Und jetzt bezahlen sie auch noch für eine Krise, die sie nicht zu verantworten haben. Die Löhne halten seit Jahren nicht mehr mit den Preisen mit. Die Arbeitgeber haben die abflauende Konjunktur schamlos für ein Erpressungsmanöver ausgenutzt. Mit dieser Geiz-ist-geil-Mentalität würgen die Arbeitgeber den letzten Rest der Konjunktur ab. Wer wenig Geld in der Tasche hat, kauft keine neuen Autos. Da helfen alle Steuerbefreiungen nichts.

Die Erwartungen der Arbeitnehmer in den Betrieben lagen höher. Die Streikbereitschaft war da.  Viele Unternehmen fahren immer noch satte Gewinne ein. Der Austritt von Infineon aus dem Arbeitgeberverband setzt dem ganzen noch die Krone auf. Infineon hat sich seine Fabriken vom Steuerzahler mitfinanzieren lassen und danach Milliardengewinne kassiert. Für die Verluste sollen jetzt die Arbeitnehmer bluten. So eine Abzockerei ist eine Schande für den ganzen Wirtschaftsstandort. Es gibt nur eine richtige Antwort für die Beschäftigten: Organisiert euch in eurer Gewerkschaft, um eure Interessen gegen diesen Profitwahn durchzusetzen.


Offener Brief

Offener Brief zu den Forderungen der hungerstreikenden Conterganopfer in Bergisch Gladbach 

An die Bundesregierung Deutschland und die Familie Wirths 

wie Sie wissen, befinden sich seit mittlerweile 19 Tagen Stefan Nuding, seine 79jährige Mutter und Gihan Higasi im Hungerstreik.19 Tage ohne Nahrung, nur Wasser und Tee!

Diese drei Menschen hungern, um auf die finanzielle Situation contergangeschädigter Mitbürger aufmerksam zu machen.

Wie kann es sein, dass Sie es nicht für nötig halten zu reagieren ?

Wie kann es sein, dass die Firma Grünenthal ihre Pressesprecherin Frau Fusening vorschickt mit den Worten, es handele sich um aggressives Verhalten der Contergangeschädigten ?

Wie kann es sein, dass Sie uns mit einer "großzügigen Spende" von 50 Millionen abspeisen wollen (auf 30 Jahre verteilt macht das 1,60 Euro pro Tag für jemanden, der weder Arme noch Beine hat) ?

Wie kann es sein, dass Sie sich darauf berufen, dass unsere Eltern schließlich dem Vergleich, der 1970 unter recht fragwürdigen Umständen zustande kam, zugestimmt hätten? - Wer nicht unterschrieb, bekam gar nichts !

Warum weigern Sie sich, mit den Hungerstreikenden zu reden?

Welchen Teil der Forderungen verstehen Sie nicht?

Ich versuche es Ihnen noch einmal zu erklären ( einfache Fassung, damit es für jeden verständlich ist):

1. Für jeden Contergangeschädigten Schadensersatz/Schmerzensgeld in Höhe von 1 Million Euro. - Wofür? - Damit wir ein wenig so leben können, wie jeder nicht durch Grünenthal verstümmelte Mensch. Wir könnten uns zum Beispiel einen behindertengerechten Wohnraum schaffen, an Rehamaßnahmen teilnehmen usw.

Die uns allen drohende Altersarmut (durch Erwerbslosigkeit auch keine Altersrente) könnten wir vermeiden und so vielleicht ein wenig menschenwürdiger leben.

2. Unsere Rente verdreifachen.- Wofür? - Damit wir unseren täglichen Bedarf abdecken können.

Zum Beispiel für Medikamente, Schmerzmittel, Hilfe im Haushalt, Hilfe beim Einkauf, Hilfe zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Anschaffung von speziellen Hilfsmitteln usw.

3. Durch ein Grenium von Sachverständigen ist festzustellen, ob es weitere Leidtragende von Thalidomid in anderen Staaten, in denen bisher keine Schadensersatzverfahren durchgeführt wurden, gibt. Dieses gilt auch für deutsche Fälle, die nicht registriert wurden. - Warum? - Weil sich viele Mütter und Väter damals geschämt haben, ein Contergankind zu haben, gibt es auch heute noch eine Dunkelziffer.

Es gibt für diese Opfer ebenfalls eine Rentenzahlung, ggf auch rückwirkend seit 1972. Es gibt keine Antrags- oder Ausschlussfrist.- Warum - Weil die damaligen Kinder keine Möglichkeit hatten, selbst auf sich aufmerksam zu machen.

4. Die Bundesrepublik Deutschland muss für die Verpflichtungen aus einem Vertrag zwischen den Thalidomid-Überlebenden, der Grünenthal GmbH und der Bundesregierung bürgen. Das "Warum" erübrigt sich auf Grund unserer Erfahrungen mit der Grünenthal GmbH.

Ich selbst bin auch eine, die so "niedliche" kleine Arme hat. Meine Unterarme sind beidseitig verkürzt, meine rechte "Hand" besteht aus vier nicht beweglichen verkürzten Fingern und die linke Hand besteht ebenfalls aus vier verkürzten Fingern, wovon zwei zu nutzen sind. Man kennt mich hier in Remscheid als eine selbstständige, fest im Leben stehende Frau. Das stimmt, aber wieviel Kraft und Aufwand ich manchmal für das Aufrechterhalten dieses äußeren Scheins brauche, das sieht man nicht. Dass ich durch für den Körper unnormale Bewegungen schwere Folgeschäden habe und oft unter sehr starken Schmerzen in Rücken, Schulterblättern und Gelenken leide, sieht man mir natürlich auch nicht an.

Wissen Sie, wie schwer es mir inzwischen fällt, Schuhe anzuziehen oder mir eine Tasse aus einem Hängeschrank zu holen? Wissen Sie, wie es ist, eine Wasserflasche mit den Zähnen zu öffnen, weil man keine Kraft in den Fingern hat? - Aber wie wurde den Hungerstreikenden von einem Besucher gesagt: "Ihr seid es doch selber Schuld, hättet ihr euch früher nicht so viel bewegt, müsstet ihr heute nicht unter den Folgeschäden leiden."

Wir werden also auch noch verhöhnt und verspottet.

Meine eindringliche Bitte an die Bundesregierung sowie die Familie Wirths:

SETZT EUCH MIT DEN HUNGERSTREIKENDEN AN EINEN TISCH, DAMIT WIR ENDLICH ALLE ZUR RUHE KOMMEN!

WIR CONTERGANGESCHÄDIGTEN WERDEN ERST DANN RUHE GEBEN, WENN UNSERE FORDERUNGEN ERNST GENOMMEN WERDEN ! 

Mit freundlichen Grüßen 

Petra Hilbert 

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